Laute

Renaissancelaute und Chitarrone

– mit diesen beiden Instrumententypen der großen Lautenfamilie wollen wir uns bei Festival vorrangig beschäftigen

renaissancelauteDie Laute wurd im Mittelalter von den Arabern in den Süden Europas gebracht und entwickelte sich dann zur heute üblichen Form mit abgesetztem Hals, einem einzelnen Schallloch und Bundgriffbrett.

Festival.ReTour 201420140621_461Erste schriftliche Überlieferung der Musik findet sich kurz nach 1500 beim italienischen Lautenisten Francesco Spinacino.

Mit nur ganz wenigen Ausnahmen ist die überlieferte Lautenmusik immer in Tabulaturen notiert, einer Griffschrift, in der eine Linie einen Chor (Doppelsaite) und ein Buchstabe oder eine Zahl eine Position auf dem Griffbrett bezeichnet.

tabulaturNeben Tabulaturen vokaler Musik und instrumentaler Tanzmusik zeigen sich bereits selbstständige, instrumental komponierte Solostücke wie Toccata, Fantasie und Präludium.

Chitarrone_brigitte_meier_sprinzIm Zeitalter des Barock -dazu zählen in der Musik etwa die Jahre 1600 bis 1750- gab es eine Vielzahl von verschiedenen Lauten, die alle ihre spezielle Charakteristik und ihr eigenes, oft sehr großes, Repertoire haben.
1600 war die Zeit der entstehenden Oper und des Sologesangs und somit gab auch einen Bedarf an Begleitinstrumenten, die eine Stimme stützen konnten und im Gegensatz zur damals gebräuchlichen Renaissancelaute im Ensemble gut hörbar waren.  Der Chitarrone ist ein Beispiel solcher Continuoinstrumente, die in praktisch jeder frühbarocken Oper das Fundament der Musik bildeten.

Chitarrone
Die Antike war eines der beliebtesten Themen in Italien um 1600 (einer Zeit, die nicht umsonst „Wiedergeburt“ heißt). Deswegen benannte man den ‚Chitarrone‘ auch nach der
griechischen Kithara,  dem Leierinstrument, zu dem man sich rezitierende Sänger vorstellte. Laut und tief sollte das benötigte Instrument sein.  Also vergrößerte man die bis dahin gebräuchliche Renaissancelaute mit der Stimmung g‘,d‘,a,f,c,G. Da es keine Saite gab, die bei  einer so großen Mensur eine so hohe Stimmung aushalten konnte, wurden die untersten (höchsten) beiden Saiten einfach eine Oktave tiefer gestimmt, was eine zunächst verwirrend erscheinende Stimmung ergibt, wo auf die hohe h – Saite auf einmal wieder eine tiefe e Saite folgt.

Eine Baßsaite klingt nur gut, wenn sie entsprechend lang ist. Deshalb fügte man an einem verlängertem Hals zusätzliche Saiten an und bekommt eine Stimmung, deren geringer Tonumfang zur Folge hat, daß ein tiefer, dichter Satz entsteht,  der über das eingestrichene ‚e‘ selten hinausgeht.  (a, e, h, g, d, A, G, F, E, D,  C, H‘, A‘)